Permalink

0

Superhelden

In einem meiner ersten Beiträge schrieb ich damals darüber, wie mühsam es doch ist, in den Weiten des Online-Kosmos auf zeitgemäße und ästhetisch ansprechende Webseiten zum Thema Krebs zu gelangen. In meinem speziellen Fall ging es explizit um die Informationen zum Non-Hodgkin Lymphom (NHL). Diese Art von Krebs ist relativ selten. Pro Jahr erkranken in Deutschland etwa 7.300 Männer und 6.400 Frauen daran. Zum Vergleich: An Brustkrebs erkranken in Deutschland jährlich mehr als 71.700 Frauen und an Lungenkrebs fast 34.000 Männer und 15.600 Frauen. Würde es bei dieser Wahrscheinlichkeitsstatistik um den Gewinn eines Hauptpreises gehen, bliebe mir nur folgendes zu sagen: „BaddaBoom!!! Ich hab’ in der Krebslotterie gewonnen!“. Doch hier geht es nicht nur allein um den Seltenheitsfaktor, hier geht es vor allem um die Heilungschancen – und die sind beim NHL erstaunlich gut. Was mich dann doch ein wenig jubeln und tief durchatmen lässt. Ich will euch aber hier nicht länger Statistiken, Wahrscheinlichkeitstheorien und Zahlen um die Ohren knallen, sondern vielmehr zwei meiner größten Showbusiness-Superhelden vorstellen, dessen Geschichten mich während meiner Recherche-Orgie gefesselt haben und mich seitdem nicht mehr loslassen.

IMG_3837
Noch bevor ich die Bekanntschaft mit Henry machte, stapelten sich in meinem Bücherregal neben zahlreichen Schundromanen und Musikalben mehrere DVD’s meiner Lieblings-US-amerikanischen Krimiserie Dexter. Ein aufgeweckter, sympathischer junger Mann, von Beruf Forensiker in der Blutspurenanalyse des hippen Miami-Metro Police Department, der des Nächtens seinem Zweitjob als Serienmörder nachgeht. So weit sympathisch, so gut. Gespielt wird Dexter Morgan von Sweetheart Michael C. Hall, den man auch aus der Serie Six Feet Under kennen könnte. 2010 erkrankt der Schauspieler am Non-Hodgkin Lymphom und beginnt seine Chemotherapie zum Ende der vierten Serien-Staffel. Fünf Jahre danach geht es ihm, meiner Kenntnis und Internet-Recherche nach, weiterhin gut und dreht fleißig neue Filme.

Doch nicht nur die Diagnose NHL stellt eine gemeinsame Verbindung dar, sondern auch der Mut und Umgang dieser Krankheit zu trotzen. Michael’s treffendster und von mir oft zitierter Satz, den ich gern auf Tassen und Kugelschreiber drucken möchte, stammt aus folgendem Interview und steht seit jeher symbolisch für meine innere Einstellung:

I feel like I won the cancer lottery! 

Ich weitete meine Suche aus und blieb weitestgehend auf internationalen Seiten und Newsportalen hängen. Hier erfuhr ich von den verschiedensten NHL Organisationen wie beispielsweise dem Light The Night Walk der The Leukemia & Lymphoma Society (LLS) in den USA. Und ich stieß auf die Geschichte von dem australischen Schauspieler Andy Whitfield, Haupt-Darsteller der Serie Spartacus. So wenig mich die Gladiator-Episoden interessierten, desto mehr fesselte mich die persönliche Geschichte von Andy. Bei Dreharbeiten zur ersten Staffel klagte er über starke Rückenschmerzen und erhielt wenig später die Diagnose Non-Hodgkin Lymphom. Die Frage nach der Ursache ließ ihn einfach nicht los und der achselzuckende Kommentar seines Arztes bestärkte ihn darin, sich auf die Suche zu begeben und seine eigene Antwort zu finden. Nicht wissend, was passieren wird, beschloss er sich ein Jahr lang von der Kamera begleiten zu lassen. Der Dokumentarfilm soll die verschiedensten Aspekte möglicher Behandlungen der Schulmedizin aber auch der Alternativmedizin aufzeigen. Mit „Be Here Now“ ist das drittgrößte geförderte Filmprojekt der Crowdfunding Plattform kickstarter.com umgesetzt und finanziert worden. Zu Recht, wie ich finde! Wann allerdings die Dokumentation gezeigt wird ist noch nicht bekannt. Eines ist jedoch schon jetzt sicher: es wird eine äußerst emotionale und berührende Reise.


Michael C. Hall und Andy Whitfield, zwei Männer die so unglaublich stark, optimistisch und lebensbejahend sind. Die mit ihrer persönlichen Geschichte und den Mut damit an die Öffentlichkeit zu gehen vielen Menschen geholfen haben und aufzeigen, dass es sich lohnt zu kämpfen. Immer den Blick nach vorn gerichtet. Den Blick in Richtung Zukunft. Sie sind meine Superhelden. Bei Andy kehrte der Krebs wieder zurück. 2011 starb er im Kreise seiner Liebsten. Diesen Gladiator-Kampf hat er leider nicht gewonnen. Sein Schwert gibt er dennoch all denen weiter, die es für die zukünftige Schlacht einzusetzen wissen.