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Morgens Fango, abends Tango!

Jeder der schon mal zur Rehabilitation (Reha) war, eine Kur angetreten ist oder einen Kindergarten besucht hat, weiß was jetzt kommt. Das ist nicht immer zwangsweise lustig… aber meistens schon.
Ich entschied mich bereits im vergangenen Jahr einen dreiwöchigen Reha-Aufenthalt bei der Deutschen Rentenversicherung zu buchen. Doch welch Überraschung – dieser wurde erst einmal abgelehnt, aus Gründen. Hm, ja genau. Diese sogenannten Gründe erschlossen sich mir nicht auf Anhieb, also legte ich Widerspruch ein und bekam beim zweiten Anlauf den Bescheid zur Teilnahme. Pfiffig wie ich war, hatte ich im Voraus schon mal im Netz nach Kliniken geschaut, die in Frage kommen würden und habe dies bei Antragstellung auch gleich mal vorgeschlagen. Voilá, los ging die Reise in die Klinik mit Ostseeblick. Whoop, Whoop – auf nach Ahrens(w)hoop! Das liegt direkt an der Ostsee, oberhalb von Rostock und ist ein wunderschönes Fleckchen Erde. Ich bin schockverliebt, unzwar ganz dolle.

Durchatmen und Kraft tanken in Ahrenshoop.

Durchatmen und Kraft tanken in Ahrenshoop.


Zwei Wochen bin ich nun schon hier und auf meinem Nachtschränkchen stapeln sich mittlerweile potentielle Drehbücher, die für mindestens drei Daily-Soaps reichen würden. Wenn also jemand gerade mitliest und auf der Suche nach einem neuen Unterhaltungsformat für die TV-Öffi’s ist – ich hätte da so einige Ideen in der Schublade. Und da wären wir auch schon beim Thema. Denn Entertainment wird hier ganz GROSS geschrieben. Seidenmalerei, Disco mit DJ Lothar, Gesundheitssport, Qi Gong oder auch The Nordic Walking Dead – wie ich es liebevoll nenne – stehen hier auf der Tagesordnung. Los geht’s hier immer sehr sportlich morgens um 6.30 Uhr. Meine liebe Freundin Charlotte hat dafür natürlich nur ein müdes und gähnendes Lächeln übrig, denn als Mami ist sie mittlerweile Vollprofi in Sachen early-bird-wake-up-calls. So nun jetzt auch ich, also ansatzweise…

Direkt nach dem Frühstück steht die erste Trainingseinheit an: Physiotherapie mit Musik. Der absolute Geheimtipp unter der Reha-Crowd und mittlerweile mein absoluter Favorit. Hier bietet die Playlist alles, wirklich alles aus 20 Jahren Euro-Trash-Dance. Hits, Hits, Hits bis die Hüfte knackt und das Kassettendeck explodiert. Was ein Spaß! Wo sonst kann man heute noch mit solch einer ausgewachsenen Ernsthaftigkeit sich zu Tracks von Ace Of Base und Whigfield bewegen? Das geht nur hier, liebes Partyvolk! Und wer kichert fliegt raus!

So wie die Reha-Rowdies, die mit ihrer crazyness und ihrem Studio Braun-Charme garantiert jeden Gymnastikgruppenkurs chrashen.


Reha-Rowdies sind Klinikbewohner die immer als erstes den Fahrstuhlknopf drücken wollen oder sich beispielsweise schon eine halbe Stunde vor Öffnung des Speisesaals die Nase an der Tür platt drücken und darauf warten, dass es endlich los geht. Ähnlich wie bei den hysterischen Teenies, die tagelang vor der Konzerthalle zelten um es dann in die erste Reihe zu schaffen. Nur gibt es hier weder Teenies, noch gute Musik und die erste Reihe bekommt ihre Plätze zugewiesen. Auch wird das Essen immer wieder aufgefüllt, das wissen aber manche nicht, so dass am Abend-Buffet gleich bergeweise der Harzer-Käse in Alufolie eingepackt und auf’s Zimmer geschmuggelt wird. Für den Fall der Fälle, denn haben ist besser als brauchen. Doch was machen die damit, habe ich mich gefragt? Aufheben für schlechte Zeiten, falls morgen ein riesiger Tsunamie über die Deiche schwappt? Ja, im Ernst? Aber dann doch bitte Brot, meine Herren!

Da sind die Ü60-Girls hier etwas gewiefter und den Herrschaften um einiges Voraus. Ich sage nur ein Wort – STYLE.
Regelmäßig vereint sich im Foyer des Hauses die Crème de la brûlée der QVC-Käuferschaft. Freche Tigerprints wohin man schaut. Von den frühen (also sehr frühen) Versace-Kollektionen über trendige Animalprints der angesagtesten TV-Homeshopping Kanäle dieses Landes bis hin zum fetzigen Hello Kitty-Einteiler. Und mal unter uns, ich denke genau hier wurde der Begriff Modezirkus geboren, hier in der Reha!

Fortsetzung folgt…

3 Kommentare

  1. Hallo Janine,

    herrjemine. Ich selbst habe als Kind drei Kuren hinter mich gebracht. Damals standen weder Disco noch Kurschatten auf dem Programm. Dafür aber Schulunterricht mit Nonnen (…), neckische Basteleien und Eingecremt werden mit Pasten in weißen Tiegeln mit roten Deckeln. Natürlich von Nonnen. Ich fühle also mit dir 😉

    Erinnere mich aber auch an schöne Tage an der Nordsee, viele Muscheln, steife Brisen und Kinobesuche.

    Halte durch und erhole doch gut. Trotz der Reha-Terroristen 😉

    Liebste Grüße
    Kathrin

  2. Hallo Janine, also zunächst einmal gratuliere zu dem tollen photo (das sieht besser aus als aus der Jevers Bier Werbung 🙂 ). und ich fahre regelmäßig auf Kuren aber mir stehen weder Disco noch Kurschatten zur Verfügunjg 🙂 An der Nordsee eine kurs zu machen war bei mir allerdings noch nicht drin … mit vieleb Muscheln und sanften Brisen. Schreib mal ein update. Würde mich sehr freuen. LG Ulla

  3. Die Reha am Meer… das klingt herrlich!! Da wollte ich zunächst auch gerne hin, habe mich dann aber doch für die Junge Erwachsenen Reha in Bad Oeynhausen entschieden.

    Ich finde deinen Bericht über die Reha wirklich amüsant und bin schon gespannt auf die Erfahrungen, die ich dort machen werde. Wie du schon gesagt hast: es wird sicher nicht immer lustig… aber ich werde auf jeden Fall darüber auf meinem Blog berichten: http://flauschekoepfchen.blogspot.de/

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