Permalink

0

Kopfstand mit Überschlag

… genau so fühlt es sich innen drin gerade bei mir an. Voll gut. So richtig gut. Alles ist in Bewegung. Es bewegt sich. Ich beweg mich. In alle Richtungen. (Keine Angst, der Schnaps steht ganz weit hinten im Küchenregal und wurde von mir nicht angerührt.)

Vergangene Woche blickten mich bei der Premiere meines ersten Vortrags rund 40 Augenpaare interessiert an und warteten neugierig auf das, was ich ihnen in den nächsten 60 Minuten zu erzählen hatte. Punkt 18 Uhr Herr Prof. Dr. med. Dr. Schlag von der Berliner Krebsgesellschaft bittet mich, neben ihm Platz zu nehmen. Vorne. Neben dem Rednerpult und vor dem Beamer. Ich bin kurz geblendet. Vom Beamer. Kneife im Reflex meine Augen zu und setze mich gekonnt und beinahe blind in den schwarzen Ledersessel. Geschafft. Ich sitze und das ohne große Zwischenfälle. Ohne zu stolpern oder umzukippen. Ok, weiter geht’s. Die Frisur sitzt.

schild

Ich scanne im Schnelldurchlauf die Sitzordnung der anwesenden Zuhörer und Zuschauer ab. Wie ein moderner Cyborg oder die lustigen Weltraumkatzen mit den Laseraugen, hihi. Die ersten beiden Reihen, links und rechts Lieblingsmenschen – check✓ Dritte und vierte Reihe – ja, den ein oder anderen könnte ich schon mal gesehen haben. Fünfte, sechste… verdammt wo ist meine Brille? Fast alle Plätze sind belegt und die Couleur der interessierten Lauscher könnte vielfältiger kaum sein. Betroffene, Nicht-Betroffene, Angehörige Betroffener, Mediziner, Psychoonkologen, Agentur-Menschen, Digital Natives und ganz vorne mit dabei, meine Herzens-Supporter. Knaller Crowd, knaller Abend! So würde ich es rückblickend einfach mal zusammenfassend beschreiben. All die Vorbereitung, die voran gegangenen Gespräche und der Mut der Krebsstiftung Berlin, dieses Mädchen von diesem Internet erzählen zu lassen, haben sich mehr als gelohnt und mich um eine unfassbar großartige Erfahrung reicher gemacht und abermals über mich hinaus wachsen lassen.

Ich war und bin immer noch überwältigt von all den interessierten Fragen. Den unterschiedlichen Meinungen und wahnsinnig inspirierenden Input. Allein daraus ergibt sich schon wieder Stoff für mindestens zwei weitere Vorträge. Theoretisch. Das Thema „Ein Leben mit Krebs in der digitalen Welt“ ist kein einfaches und zudem extrem vielschichtig. Nicht jeder ist sich der Risiken bewusst, so dass es vor allem hier noch umfangreicher Aufklärungsarbeit bedarf. Doch auch als kommunikative Hilfs- und Austauschplattform sind die Möglichkeiten, die das Internet bietet noch nicht annähernd optimiert und ausgerichtet. Hier wird es bestimmt noch jede Menge Gesprächsbedarf geben. Ich bedanke mich an dieser Stelle bei allen die da waren und diesen Abend mit Leben gefüllt und zum inspirierenden Austausch angeregt haben. Das war ganz schön toll! Abschließend möchte ich noch mein Lieblings-Zitat-Chart aus der Fancy-Nancy-Präsentation hier an die virtuelle Wand werfen. Für all diejenigen, die nicht mit dabei sein konnten und dennoch gefühlt ein Stück Vortrag mit nach Hause nehmen möchten.

Hätte ich mal – der traurigste Satz, den ein Mensch sagen kann. „Müsste ich irgendwann auch mal“ ist ein Trickbetrüger, der uns die schönsten Momente aus der Tasche zieht.

 

Wenn wir doch schon auf die Quantität keinen Einfluss haben, dann müssen wir doch umso heftiger an der Qualität schrauben. Glauben wir denn ernsthaft, dass am Ende des Lebens, kurz vor der Ziellinie einer mit nem Präsentkorb auf uns wartet? „Hier, Klaus Hermann, für Dich, weil Du so schön gespart und auf Urlaube verzichtet hast!“
Am Arsch!

(stern-Kolumnist Micky Beisenherz, Nachruf zum Tod von Radiomoderator Basty Radke)

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.