Tausche Kamm gegen Bürste.

Das Thema Haare tauchte hier und da ja schon des Öfteren auf. Von lang auf kurz, von kurz auf nix, von nix auf undefinierter beinahe-Vokuhila-Hilfe-bald-muss-was-geschehen-Look, auf puh-Glück-gehabt-Hallo-freche-Kurzhaar-Frise. Ich hab’s getan. Zum ersten Mal nach der Trennung von Henry habe ich einen Friseurladen aufgesucht und war bestimmt genauso aufgeregt wie damals, als ich mir mit acht Jahren ganz mutig zwei Ohrlöcher hab schießen lassen.

Noch fünfmal schlafen dann ist er da – der große Tag. Ich suchte mir einen Samstag aus. Na klar, bloß nichts überstürzen, gut vorbereitet sein und ja ausgeschlafen beim Haarmeister erscheinen. So lauteten die Grundsätze. Schließlich war es diesmal etwas ganz besonderes. Es war das erste Mal mit meinen neuen Freunden da oben auf der Aussichtplattform. Und sie haben sich enorm verändert. Waren sie früher eher glatt und blond, sind sie heute das komplette Gegenteil: gelockt und brünett. Ein ganz anderer Typ. Und das steht im Moment irgendwie symbolisch für alles. Raus mit dem Alten und her mit dem Neuen.

Ich mag meine Typveränderung. Es macht Spaß sich auszuprobieren und sich zuweilen in der Rolle von Samantha Jones wiederzufinden, wie sie in einer Folge mit Kurzhaarperücke, Sonnenbrille und Trenchcoat getarnt als Detektivin ihrem Freund Richard nachstellt und von einem New Yorker Straßengebüsch zum nächsten hoppelt. So fühle ich mich auch von Zeit zu Zeit. Inkognito and the City. Nur mit dem Unterschied, dass es im wahren Leben keinen Richard gibt, dem ich auf der Straße hinterher hopse. Wäre irgendwie auch ganz schön schräg. Es ist eher so, als würde man nach knapp zwei Jahren aus dem Zeugenschutzprogramm wieder in sein altes, neues Leben zurückkehren. Vorbei an der Badstrasse und dem Hauptbahnhof zurück auf LOS. Es wurde fleißig gewürfelt und die Karten aber so was von neu gemischt, da zählt der alte Spielstand so gut wie gar nicht mehr und alles scheint plötzlich wieder möglich zu sein.

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Und dann war er da – der Tag der Beschneidung, äh, Entscheidung, also der neuen Frisur meine ich. Ich öffnete das goldene Tor zu meinem neuen Leben und sagte mit einer zu solcher Tageszeit und dem Berliner Serviceleistungs-Segment eher unüblich guten Laune „Juhu! Ich habe einen Termin und will es heute mal so richtig krachen lassen!“ – „Aha, wat willste denn fetziges machen lassen?“ – „Einmal meine lockigen Freund da oben in Form bringen bitte, merci!“. Ich war der glücklichste Kunde an diesem Tag und genoss es in vollen Zügen eine Kopfmassage plus ein Glas Modelbrause (stilles Wasser) zu bekommen und dabei zuzusehen, wie ein Löckchen nach dem anderen unter meinen Stuhl landete. Hach, wie aufregend. „Fertig!“. Ich öffnete die Augen, fuhr mit meinen Fingerspitzen durchs Haar und sagte ganz leise „Willkommen neues Leben. Siehst echt stark aus!“ Es war ein herrliches Gefühl. Es roch nach Neuanfang. Es war die große Jubiläums-Vorher-Nachher-Umstyling-Session der Cancer Survivor und ich hab gewonnen!

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Gestärkt mit neuem Pixie-Look, neuem Job – jawohl! – und jeder Menge Pa-Pa-Power geht es nun volle Kraft voraus. Es hat und es wird sich auch weiterhin vieles ändern. Tolle Dinge stehen vor der Tür und warten bereits auf ihren Eintritt. Viele alte Dinge stehen ebenfalls vor der Tür, um nach unten in die Mülltonne gebracht zu werden. Alles was keine Miete zahlt fliegt raus. Henry, Deko-Gedöns (von dem man eh viel zu viel hat), Klamotten, Klamotten, Klam… . Frühjahrsputz bei Mrs. Schmidt. Frei nach dem Motto: Schmidt Happens, wird auch in den eigenen vier Wänden so einiges auf links gedreht und in die Ablage „P“ befördert. Tut wirklich gut sich mal schonungslos von allem unnötigen Ballast zu trennen und ist unglaublich befreiend. Man hat plötzlich wieder Platz zum atmen. Platz für neue Ideen. Platz, Platz, Platz.

Vor kurzem erzählte mir eine liebe Freundin, dass ihr Liebster sich vor einiger Zeit vorgenommen hatte, nur noch 100 Dinge zu besitzen. Stark! Ich könnte niemals nur mit 100 Sachen auskommen, sagte ich. Das würde ja heißen, dass ich mich von all meinen Ryan Gosling Filmen trennen müsste. Ne, also das kommt absolut nicht in Frage. Dann würde ich schon eher auf meinen DVD Player verzichten. Ach Moment, wo spiele ich denn dann die McDreamy Filme ab? Ihr merkt schon, es ist gar nicht so einfach. Tausend Dinge sind aber auch ok, denke ich… also… naja… ich bin ja noch nicht komplett fertig mit meinem Klimmbimm-Trennungs-Manöver. Alles der Reihe nach – Step by Step, uh Baby! Sagt das aber mal meinen beiden Füßen.

Neulich beim Aerobic-Step-Kurs habe ich mich fast dreimal lang gemacht. Detlef D Soost Choreografien zu Dance-Explosion Tracks sind momentan noch nicht zu 100% in meinem Bewegungsportfolio verankert. Da lief es bei der Gymnastikball-Gruppe in der Reha irgendwie besser. Ok, da waren die Batterien vom Kassetten-Rekorder auch nicht mehr taufrisch und spielten Saturday Night von Wighfield in Slow Motion ab. Beim heutigen Letz-Fetz-Put-Your-Hands-Und-Füße-Sowieso-Kurs ging es genau in die andere Richtung. Da braucht der Dance-Instructor nur eine kreisende Bewegung auf seinem Smartphone machen und Zack laufen die Hits dreimal so schnell.
Auch wenn ich hier und da noch an meine Grenzen stoße, hätte ich vor noch gar nicht all zu langer Zeit nicht mal fünf Minuten von dem Fitness-Kurs geschafft. Und deshalb klopfe ich mir und stellvertretend allen anderen Sportskanonen auf die Schulter, blicke hoch zu meinen gelockten, frisch geföhnten Freunden und rufe ihnen voller Freude zu: „Scheiß auf den Kamm, her mit der Bürste!“

So, liebe Ladies – für alle die jetzt auf den Make-Over Geschmack gekommen sind, hab ich da mal was vorbereitet. Eine kleine Auswahl an feshen, peppigen, pfiffigen, frechen Kurzhaarfrisuren – die Top 1000 (naja fast) der Princesses of Belle Hair:
www.pinterest.com/FONRY/short-hair-cut

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