Krebs 2.0 – Reloaded

Beinahe jeder von uns kommuniziert mit seinen Liebsten inzwischen via Smartphone, iPad oder Whatsapp. Tindert zwischen ‚Hot or Not‘ und verkauft seine ausrangierten Jeans lieber über Mobile-Apps wie Shpock oder Kleiderkreisel anstatt seine sieben Sachen auf dem nächsten Flohmarkt am analogen Stand zu verkaufen. Bequem, unkompliziert und vor allem schnell muss es gehen. Nahezu unvorstellbar ist da mittlerweile ein Fitnessstudio-Besuch ohne Tracking-Armband oder Foursquare Check-In. Plattformen wie Facebook, Twitter, Pinterest oder Instagram gehören mittlerweile zum Alltag wie die Butter auf’s Brot. Doch was geschieht, wenn die reale Welt sich plötzlich nicht mehr so aktiv, crazy, trendy und fancy darstellen lässt? Wenn hinter dem nächsten Hashtag plötzlich ‚fuckcancer‘ steht und das Wort Krebs in deinem Status-Beitrag auftaucht? Gerade dann ist der Austausch mit dem engsten Freundes- und Familienkreis enorm wichtig und die Erfindung von Social Networks ein wahrer Segen… oder doch nicht?

Noch bevor jemand den Begriff Handy verwendete und die Bezeichnung WWW allenfalls auftauchte, sobald die Schreibmaschinentaste klemmte, war der reale Krankenhausbesuch am Nachmittag der einzige Kontakt zur Außenwelt. Im Jahre 2015 sieht das Ganze etwas anders aus. Heute wird direkt aus dem Krankenbett heraus mit der ganzen Welt kommuniziert, dank kostenlosem WLAN auf der Krankenstation. „Herzlich Willkommen – dies ist ihr Schrank, dies ihr Bettnachbar und anbei die WLAN Login-Daten. Einen angenehmen Aufenthalt.“ Doch trotz dieser umwerfenden Möglichkeit, sich mit kostenlosem und blitzschnellen Internet die Zeit zu vertreiben und der Vielfalt an Mitteilungsoptionen, sollte sich ein jeder vorher vielleicht doch nochmal ein, zwei oder drei Gedanken und einen Neustart Zeit nehmen, um sich bewusst zu machen, welche möglichen Auswirkungen die Kommunikation in dieser besonderen Situation im Internet mit sich bringen könnte.

Blog around the Clock  - Janine Schmidt
Die Diagnose Krebs reißt dich komplett aus dem Leben, zieht dir die Schuhe aus, nimmt dir die Luft zum Atmen, zum Verstehen. Es herrscht der absolute Ausnahmezustand. Alarmstufe Rot. Plötzlich geht es nicht mehr um die Qual der Wahl beim bevorstehenden Schuhkauf. Plötzlich geht es um dein Leben. Ums Überleben. In dieser Situation möchte man nicht allein sein, den Anschluss nicht verlieren. Man möchte sich mitteilen, sucht nach Gleichgesinnten, nach Bestätigung und möchte verstanden werden. Da ist ein Status-Update oder ein Bild kurz nach der OP schnell mal hochgeladen. Doch bin ich mir in solch einer Situation auch wirklich bewusst welche Tragweite diese einzelnen Online-Beiträge haben? Das Internet vergisst nie und hört ganz bestimmt nicht an der nächsten Zimmertür auf. Was passiert wenn das analoge Leben einer Krebsdiagnose digital (aus-) gelebt wird? Wann hilft das Posten, Bloggen, Fotografieren und wann wird es hinderlich?

Genau jene Fragen habe ich mir gestellt, bevor ich meine persönliche Geschichte öffentlich machte und diesen Blog startete. Ich nahm mir sehr viel Zeit, habe genau darüber nachgedacht und mögliche Auswirkungen und Risiken in Betracht gezogen, bevor ich den Entschluss fasste, dass das Niederschreiben meiner Erfahrungen nicht nur mir bei der Verarbeitung hilft, sondern bestenfalls auch anderen Betroffenen Mut machen könnte. Jeder sollte diese Entscheidung individuell für sich treffen und abwägen, welcher Umgang mit den sozialen Medien der passende und beste für ihn ist. Die Möglichkeit sich in der heutigen Zeit mit Gleichgesinnten auszutauschen, sich zu informieren und Aufklärungsarbeit zu leisten war noch nie so einfach. Es zeigt sich demnach mehr denn je, wie wichtig die Kommunikation mit- und der Austausch untereinander ist – egal ob Online oder Offline.

Genau mit dieser Thematik befasst sich auch die Berliner Stiftungswoche im Zeitraum vom 14. bis 24. April 2015. Unter der Überschrift „Vom digitalen Leben in der analogen Welt“ stellen verschiedene Berliner Stiftungen an elf aufeinanderfolgenden Tagen ihre Arbeit den Bürgerinnen und Bürgern vor. An unzähligen Orten in der Hauptstadt. Und natürlich auch im Gebäude der Berliner Krebsgesellschaft.
Hier werde ich am 20. April feinsten Zwirn tragen, meine Haare mit Super-Dupa-Styling-Glue frisieren und meinen ersten Vortrag als Kuratorin der Krebsstiftung Berlin zum Thema „Ein Leben mit Krebs in der digitalen Welt“ halten. BÄM! Styling-Tipps und Ausstattungsangebote sind ab sofort ausdrücklich gewünscht und herzlich willkommen. 😉 Doch viel wichtiger als jedes Outfit seid in jedem Fall ihr! Daher würde ich mich sehr freuen, den ein oder anderen am 20. April zu sehen und persönlich kennenzulernen. Auf Facebook gibt es alle weiteren Infos und die Möglichkeit sich anzumelden:
https://www.facebook.com/events/1385049231815209/

Veranstaltungsort:
Krebsstiftung Berlin
Robert-Koch-Platz 7
10115 Berlin-Mitte

Uhrzeit:
18.00 – 19.30 Uhr

Der Eintritt ist frei und anmelden könnt ihr euch per Mail oder via Anruf.

Mail:
 info@berliner-krebsgesellschaft.de
Telefon: 030-2832400Weitere Infos zur Krebsstiftung Berlin und den Veranstaltungen während der Stiftungswoche findet ihr hier: http://www.berlinerstiftungswoche.eu/stiftung-info/Krebsstiftung%20Berlin

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