High On The Heels, Baby!

Seit der Nachricht über HENRYs Ableben befinde ich mich in einer ganz speziellen Form des Ausnahmezustandes. Es wird gehüpft, geflippert, gekreischt und geherzt was das Zeug und vor allem mein Dielenboden so aushält. Hach Leute, was soll ich sagen, meine Freude über HENRYs For(d)gang will einfach nicht nachlassen und das muss sie auch nicht, das kann ruhig noch ein bisschen zelebriert werden. Ein neuer Lebensabschnitt beginnt. Das Leben danach. Das Leben ohne HENRY, ohne Monsieur Krebs.
Doch wie geht es nun weiter? Ab wann bin ich wieder gesund und kann in meinen normalen Alltag zurück? Ach ja, und was ist eigentlich mit dir, Mr. Job? Wann sehen wir uns denn nun wieder?
Was sich anhört, wie stinknormale Fragen eines frischgebackenen Schulabgängers, sind Gedanken die mich derzeit verstärkt heimsuchen. Es sind Gedanken die anzeigen, dass ein neuer Lebensabschnitt beginnt. Ich bin bereit. Vorbei das endlose Warten und die quälenden Gedanken darüber, ob Monsieur Tumor noch da ist oder mit welcher Behandlung wir nun fortfahren. All das gehört der Vergangenheit an und die nächste Station kann nun angefahren werden.

Es sind die verschiedensten Lebensphasen, die unseren Ehrgeiz nähren und uns vorantreiben. Monopoly in Echtzeit. Nach jedem Spielzug wird neu gewürfelt und wir ziehen weiter. Kindergarten  Pubertät ✓ der erste Freund  Liebeskummer  die erste richtig schlimme Modesünde (die 90er Fraktion hier unter uns weiß ganz genau was ich gerade meine)  Schulabschluss / Studium  Führerschein  Praktikaaaaaa ✓ die Haare einer lieben Freundin nach einem ausgedehnten Partyabend nach hinten halten ✓ Festanstellung  Kündigung  Krebs. Und jetzt?
Was kommt nach sechs Zyklen Chemotherapie, etlichen CT’s, Nachsorgeunter-suchungen und Reha? Man beginnt wieder von vorn. Trainiert. Mental und körperlich. Grenzen werden ausgelotet, Kräfte gesammelt und der Fitnessvertrag beim neuen „No Sweat, No Candy“ -Anbieter stolz unterschrieben. Der Ernährungsplan wird schön auf links gedreht und man beginnt bewusster am Leben teilzunehmen. Und irgendwann kommt auch der Moment in dem man sich immer mehr zutraut. Irgendwann ist der Moment da, an dem man sich nicht mehr klein und krank fühlt. Plötzlich verändert sich deine gesamte Körperhaltung. Raus aus der geduckten ich-bin-noch-nicht-fit-Haltung, rein in die Sommerkleider und High Heels. Ok, auch dafür gibt es bei besagter Fitnessinstitution einen eigenen Kurs. Ohne Mist. ‚Strength & Heels Workout‘ nennt sich das Ganze und sollte auch ich schleunigst mal ausprobieren. High On The Heels, Baby!

Bildschirmfoto 2014-07-20 um 12.15.51Doch immer noch stellt sich mir die Frage, ab wann bin ich eigentlich wieder gesund? Wann wird dieser Moment wohl kommen und wie verhält man sich dann? Es ist ja nicht so, als ob man auf den Kalender schaut, kurz die Augen schließt und blind mit dem Finger auf einen Tag zielt. So, heute ist wieder alles schick – ab heute bin ich offiziell gesund. Es gibt dafür keine Formel die dir sagt, die Wurzel aus fünf Mal X plus sieben zum Quadrat und dann kannste wieder in die Disse gehen und auf Laternen hochklettern (wer auch immer so was macht). Nein, es ist ein Gefühl. Ein schönes, aber auch bedrückendes Gefühl. Man muss es wollen. Man muss aus diesem langen Krankheits-Groove ausbrechen wollen. Denn schaffst du den Absprung nicht rechtzeitig, wirst du vermutlich für immer in diesem Groove und in dieser viel zu engen Zeitzone gefangen bleiben.

Du allein gibt’s den Startschuss zum Gesundsein. Du allein entscheidest, wann du wieder Frau sein willst. Und du allein entscheidest, wie dein Leben von nun an aussehen wird und was du mit deiner neu gewonnen Lebenszeit anstellen möchtest.
Also ich werde mich jetzt in mein Sommerdress schmeißen und zur Geburtstags-Garten-Sause einer lieben Freundin an den Stadtrand düsen. Peng!

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