HENRY who?

Zuallererst einmal möchte ich mich bei allen Henrys dieser Welt und deren Mütter für die, sagen wir mal, ausdrucksstarke Bezeichnung dieses Blogs entschuldigen. Ich persönlich kenne keinen einzigen Henry, was wahrscheinlich auch der Grund sein mag, weshalb ich mich ausgerechnet für eben diesen entschied. Auserwählt von meinem Unterbewusstsein. Vor exakt sechs Monaten.

Ende Mai wurde bei einer Routineuntersuchung ein Tumor unter meinem linken Brustbein festgestellt. „Non-Hodgkin Lymphom – 11 x 9 cm – so groß wie ein Handball.“ sagte mein Arzt und zeigte mir die CT-Aufnahmen. Peng! Hat hier gerade jemand mit einer Pistole geschossen? Er umkreiste mit einem Stift die Stelle und begann mir die weitere Vorgehensweise zu erläutern. Wie jetzt? Ich verstand kein Wort. Ich schaute ihn an und sah, wie sich seine Lippen bewegten. Hören konnte ich allerdings nichts. Zu viele Gedanken hämmerten mit voller Wucht von Innen gegen meine Stirn. Diffus, laut und ohne Plan. Ich verließ die Praxis, fuhr nach Hause und rannte die Treppen bis in den dritten Stock. Oben angekommen realisierte ich allmählich, was da gerade passiert war. Du hast einen Tumor, du hast Krebs! Schnell versuchte ich meinen Gedankenbrei zu sortieren und machte mir einen Plan. Ich beschloss in den Kampf zu ziehen. Von Angesicht zu Angesicht. Mein Gegner: der Tumor, der Krebs, Henry.

„What the Fuck? Ein Tumor? Ich? Fuck Off Henry!“

Willkommen in meinem Leben und zu meiner ganz eigenen Geschichte. Von meinem Tumor namens Henry, meinen Lieblingsmenschen und das „Frau Sein“ ohne Haare. Ich starte diesen Blog für mich, meine engen Vertrauten und für all Diejenigen, die sich dem Thema annehmen wollen, ohne dabei ihr Lächeln zu verlieren.

Ich möchte hier meinen Optimismus teilen und weitergeben. Vielen Betroffenen mit der Diagnose Krebs gelingt es oft nicht oder nur schwer positiv nach vorn zu schauen. Denen möchte ich zeigen, dass es sehr wohl funktioniert erhobenen Hauptes und mit jeder Menge Lebensfreude diesen schwierigen Weg zu bestreiten. Hier ist eure symbolische Kopfstütze! Damit der Blick auch ja nicht wieder nach unten zu Boden geht.

Dies soll kein medizinischer Ratgeber oder „Non-Hodgkin Lymphom für Dummies“ werden. Dafür gibt es andere Seiten, die sich dem Thema ausführlich widmen und bis auf’s letzte Blutplättchen damit befassen. Vielmehr möchte ich hier von den bis dato turbulentesten sechs Monaten meines Lebens berichten. Und ich hole euch genau an dieser Stelle ab, hier und jetzt, denn: Henry ist leider immer noch da.

4 Kommentare

  1. Matthias Müller 24. Oktober 2014 um 0:49

    Hi Janine,

    mit grosser Bewunderung bin ich soeben über deinen Artikel in der Zeitung gestossen,musste ich mir doch glatt,dank Internet im Nachtdienst,auch gleich mal deine Seite anschauen.Kenne Henry in letzter Zeit leider auch seh gut,muss eine grosse Familie besitzen der Typ. Ok,nochmal dickes Kompliment wie du das alles so meisterst bzw damit umgehst.
    Habe mich soeben auch gleich noch bei der DKMS angemeldet,bin Spender-geeignet.Rest kommt kostenlos per Post nach Hause.

    Liebe Grüsse von Arbeit.

  2. Hi Matthias,

    freue mich sehr deine Zeilen zu lesen. Auch wenn du leider ebenfalls die Bekanntschaft mit der Henry-Familie machen musstest finde ich es ganz großartig, dass du dich bei der DKMS hast registrieren lassen. Respekt!

    Alles Gute und #fuckoffhenry!

    Janine

  3. Hallo, als ich im KH deinen Artikel gelesen habe, musste ich lachen. Auch ich bin an dem gleichen Krebs erkrankt und ich habe ihn von anfang an Klops genannt, keine Ahnung warum, aber ich fande den Namen gut. Bei mir wurde es auch durch ein CT festgestellt und nun habe ich schon die erste Chemo hinter mir und fünf weitere stehen bevor. Der Schock war sehr groß, nach vielen Tränen und Fragen, hab ich beschlossen, dass ich in den Kampf ziehe und definitiv gewinnen werden. Du hast mich auch nochmal in deinen Artikel sehr gestärkt und gezeigt, dass man es schaffen kann. Danke dafür!

  4. Liebe Tina,

    es ist so schön zu hören, dass ich dir selbst in der Krankenhaus-Zeit ein Lachen schenken konnte. Das ist unglaublich toll!
    Ich wünsche dir von Herzen für die bevorstehenden Chemos ganz viel Kraft und eine ordentliche Portion Optimismus. Du machst das genau richtig – stay strong!

    Alles Gute Deine Janine

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