Beziehungsstatus: Single und verdammt vernünftig.

Ihr kennt das. Mann trennt sich von Frau. Frau beschließt ihr Leben von nun an so zu leben, wie sie es schon immer wollte, rennt zum Friseur und lässt sich ein Stück Freiheit auf den Kopf zaubern. Neue Haare, neue Farbe, neues Feeling. So ähnlich ist es gerade bei mir. Ich habe mit HENRY Schluss gemacht und beschlossen mein Leben neu zu sortieren. Ausmisten. Überall. Im Kopf. In der Wohnung. Zurück auf LOS. Das funktioniert gerade extrem gut. Ich lasse keine doofen Gefühle zu, spreche alles aus, was es auszusprechen gibt. Wünsche der Kassiererin einen schönen Tag und mache tolle Sachen. Sachen, die mir Spaß machen und meinen beiden Mundwinkel das Zeichen zum Hochziehen geben. Ein Zustand, den ich sehr mag und dem ich gern besonderen Ausdruck verleihen möchte. Dauerhaft. Ähnlich wie der Gang zum Friseur. Nur sollte es kein Termin beim Schneiderling – macht auch gerade irgendwie keinen Sinn – sondern beim Tätowierer sein. Ein Schriftzug. Nein, nicht #fuckoffhenry. Schließlich möchte ich nicht jeden Tag an diesen Doofmann erinnert werden. Ich entschied mich für das einfache und simple Wörtchen smile. Warum? Darum. Siehe oben. Motiv, check! Tattoo-Laden, check! Termin vereinbaren, check! Termin wieder absagen, check!


Whuat? Genau. Und das aus einem sehr guten Grund. Zwar bin ich ganz ok beraten worden, aber irgendwie war ich mit den Infos die ich bekam, eher mittel zufrieden. Ich fragte mich im Nachhinein schon, warum der Tattoo-Mann mit dem Tunnel im Ohr meinte, dass es doch eher ungeil ist, wenn ich momentan Antibiotika nehmen oder aktuell stillen würde. Hm, ok beides trifft zwar jetzt nicht auf mich zu, aber warum sollte man in solch einem Fall lieber vorsichtig sein? Ich recherchierte. Online. Denn, wenn kränkelnde oder stillende Menschen zur Risikogruppe von Tätowiermaschinen gehörten, sollte ich mir vielleicht auch mal kurz ein, zwei Gedanken dazu machen. Wegen der Chemokeule, die ich ja neulich noch bekam.

Ok, ich gab ins Suchfeld meines Online-Gerätes „Tattoo nach Chemotherapie“ ein und landete recht schnell bei einem Artikel vom Stern. Die anderen Treffer in diversen Gesundheits-Foren habe ich schon aus Prinzip ignoriert. Würde ich – by the way – übrigens allen neugierigen Menschen raten. Also echt jetzt. Macht das nicht! Geht bitte zum Arzt wenn ihr konkrete Fragen habt, denn der Titel Dr. Med. CEO Head Of Onkologie macht schon ernsthaft Sinn. Mr. oder Dr. Pepper kann sich im Netz ja mittlerweile jeder nennen. Nun gut. Nur ein kleiner Tipp – jeder nach seiner Fasson.

Doch zurück zum Stern-Artikel. Schon komplett durchgelesen? Prima, dann kann ich ja nahtlos fortfahren. Wer nicht so schnell hinterher kommt, hier zwei kleine Absätze, die eigentlich alles sagen und den Inhalt ganz gut zusammenfassen. „…Wissenschaftler vermuten, dass die Farbpigmente sich unter der Haut spalten, und der Körper Partikel in andere Organe transportiert. Laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) wurden bei tätowierten Menschen Farbpigmente in den Lymphknoten nachgewiesen. Das ist alarmierend – denn viele Tattoofarben enthalten gesundheitsschädliche Stoffe.“ Und weiter „…In vielen Tätowiermittel stecken Farbstoffe, die eigentlich für einen ganz anderen Zweck gedacht sind. Bei Schwarz handelt es sich zum Beispiel oft um Ruß, der sonst Autoreifen und Druckertinte einfärbt.“

Na herzlichen Glückwunsch!

Ich möchte mich hier ganz sicher nicht als Moral-Tante aufspielen – habe mir selbst vor Jahren ein Tattoo stechen lassen und in meinem jugendlichen Leichtsinn natürlich keine Platte darüber gemacht. Doch seit ich HENRY kenne ist das anders. Ich informiere mich mittlerweile ausgiebig und hinterfrage Dinge, die unmittelbar meinem Körper etwas angehen. Denn wenn du einmal Krebs hast, versuchst du ihm in Zukunft aus dem Weg zu gehen. Ist genau wie die Geschichte mit der Hand und der heißen Herdplatte. Sicher wird der ein oder andere jetzt die Augen verdrehen und sagen „Ja, wenn es danach geht, darf man gar nichts mehr machen.“ Doch na klar! Aber es gibt auch für alles eine Alternative. Keiner zwingt mich dazu, verseuchte Lebensmittel und Eier für 10 Cent das Stück zu kaufen. Keiner zwingt mich dazu, mir Plastikpartikelchen ins Gesicht zu schmieren. Es gibt vieles was uns krank macht. Abgase, Atommüll, Stress, Justin Bieber. Aber hey, wenn ich mit minimalem Aufwand ein paar Gefahren aus dem Weg gehen kann – dann mache ich das. Dann kaufe ich eben beim teuren Bioladen ein oder verwende Naturkosmetik. Und ja, ich esse auch Pizza und Schokolade, wenn ich Bock drauf habe. Ich kann machen was ich will, es ist mein Leben und ich habe immer eine Wahl. Man muss es ja nicht übertreiben. Nur ein Bewusstsein dafür schaffen.

So nun auch geschehen beim Thema Tattoo. Der Gedanke mir Autolack unter die Haut pieksen zu lassen, käme gleich mit einer weiteren Chemo-Behandlung. Damals bekam ich 4 Tage am Stück 24 Stunden lang nonstop einen hardcore Medikamentencocktail, der aussah wie Aperol Spritz. Nein Danke, nie wieder. Das war der letzte Drink. Ich zahle und gehe nach Hause. Goodbye Tattoo! Ab jetzt wird nur noch geklebt. Ja, ich habe tatsächlich eine Alternative gefunden. Fake Tattoos. Nein, nicht die Pferdemotive aus der Wendy. Es gibt die selbstklebenden Bildchen tatsächlich auch in cool. Navucko zum Beispiel hat ein paar sehr schöne Motive und bei Flash Tattoos oder Tattly bin ich auch schon fündig geworden. Also, klebt euch doch in Zukunft öfter mal eine! Tut nur halb so weh und stinkt nicht nach Autolack.

Fake Tattoos von Navucko

Fake Tattoos von Navucko

1 Kommentar

  1. Ein wirklich schöner Beitrag.
    Einfach weil so viel Wahrheit darin steckt. Über die man die Stirn in Falten ziehen und gleichzeitig Schmunzeln möchte. Weil es einem selber oft genauso geht. Hinfallen, aufstehen, Hintern abklopfen, weiter machen.
    Überhaupt eine äußerst motivierende Website. <3

    Und es ist doch viel toller die Tattoos aufzukleben und immer wieder was anderes auswählen zu können, statt sich für ein Motiv entscheiden zu müssen. ^^

    Beste Grüße und alles Gute,
    Cathy

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