AirPORT

Es ist Dienstagmittag. Die Sonne scheint, ich habe ordentlich gefrühstückt und bin überpünktlich am Flughafen. Die Redaktion von RTL „Guten Morgen Deutschland“ hat mich vergangene Woche zu sich ins Studio nach Köln eingeladen und noch ehe ich ’Fuck Off Henry’ sagen konnte, stand ich auch schon mit gepacktem Koffer am Terminal A.

Entspann’ dich, Janine – du hast alle Zeit der Welt. Der Flieger geht in einer dreiviertel Stunde. Denkste! Kurzerhand wurde dieser von Terminal A nach C verlegt. Einmal querfeldein, Treppe rauf, Treppe runter und dann links. Okäse, das schaff’ ich locker. Am Check In angekommen, reihe ich mich vorschriftsmäßig in die Menschenschlange ein und gehe mit Mini-Schritten auf die Sicherheits-Crew zu. Der Check In läuft wie am Schnürrchen. Alle grüßen ganz freundlich den Abchecker, legen artig ihr Gedöns auf’s Band und durchlaufen das Kontroll-Tor. Bei meinem Vordermann piept es. Er bleibt stehen, spreizt vorbildlich im gleichschenkligen Dreieck seine Beine und zack sind die Kontrollettis auch schon bei der Sache.
Das Scanner-Gerät bewegt sich von oben nach unten. Von links nach rechts, macht an der Hüfte halt und signalisiert, dass der Gürtel vergessen wurde. Mit einem festen und zugleich sicheren Griff zieht der Passagier seinen Gürtel aus der Lasche und wirbelt ihn wie ein Cowboy sein Lasso durch die Abfertigungshalle. Respekt! Einige rollen die Augen, ich empfinde es als astreine Showeinlage und nicke ihm bestätigend zu. „Der Nächste bitte!“ Ui, das bin dann wohl ich.

Ich ging in Gedanken noch mal die Checkliste durch. Gürtel? Kein Gürtel. Kleingeld in der Hosentasche? Hä, wozu gibt es Portemonnaies? Also, nein. Schlüssel? Schlüssel, ja, Moment… Na klar, in der Tasche. Top! Dann kann’s losgehen.
Etwas neugierig und aufgeregt war ich ja schon. Ob er wohl piepen wird? Schließlich lief ich das erste Mal mit ihm durch die Flughafen-Sicherheitskontrollen-Zauberkugel. Noch 3 Schritte, 2, 1… Stille. Ich blieb stehen und wartete auf ein Signal. Doch es tat sich nichts. „Vielen Dank, der Nächste bitte!“. Puh, so müssen sich Drogenkuriere fühlen, die ohne gefilzt zu werden durch die Kontrolle gelangt sind. Erleichterung machte sich breit, mein blinder Passagier hatte sich nicht gemeldet und war somit absolut harmlos. Dann kann die Reise ja wie geplant starten. Mit mir und meinem kleinen Begleiter unter der Haut – dem Port.

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Port? Was ist denn ein Port? Ein Portsystem hat beinahe jeder Krebspatient immer bei sich – direkt unter der Haut am Brustbein. Mein kleines Implantat liegt auf der rechten Seite, da sich Henry genau auf der gegenüberliegenden Seite eingenistet hat. Unter örtlicher Betäubung und jeder Menge blaue Tücher vor der Nase, wurde bei mir dieses praktische System unter leichter und zugleich liebevoller Beschimpfung des Radiologen meinerseits (sorry, noch mal!) gelegt. Schmerzhafte Erfahrung – muss ich so bald nicht wieder haben. Deshalb habe ich ihn auch noch nicht entfernen lassen.
Doch was genau ist die Funktion von Mr. Portman? Er sieht aus wie eine runde Ansteckbrosche mit einem langen Schlauch. Das Einsetzen dieses Systems ermöglicht einen dauerhaften Zugang in eine herznahe Vene. Sehr wichtig bei der Gabe von Aperol-Spritz-Chemo-Infusionen, um Entzündungen und andere unliebsame Erscheinungen zu vermeiden. Zugleich auch sehr praktisch beim Blut abnehmen. Wer es etwas genauer wissen möchte, folge bitte diesem Link: www.krebsinformationsdienst.de

So prägend die erste Begegnung mit dem Portsystem auch war, so froh bin ich darüber, dass es solche Möglichkeiten mittlerweile gibt. Einmal angepieckst, können sämtliche Infusionen & Co. durchfließen. Während der Behandlung war dies eine große Erleichterung und das System regelmäßig in Gebrauch. Doch was nun? Seit Monaten bin ich trocken. Keine Chemo, keine Medikamente, keine Kochsalzlösung oder Bluttransfusion. Raus damit! Äääääh, nein! So schnell geht es dann doch nicht. Zumindest bei mir. Ich habe mich dazu entschlossen, Mr. Portman bis Ablauf meiner 5-Jahresfrist zur Untermiete bei mir wohnen zu lassen. Aus Gründen. Zum einen würde mir bei einem möglichen Rückfall der schmerzhafte Eingriff erspart bleiben und zum anderen könnte er problemlos wieder in Betrieb genommen werden. Wir führen eine friedliche Koexistenz. Er stört nicht, macht keinen Krach und hält sich an die Hausordnung. Alles tippitoppi, daher bleibt mein Mitbewohner auch erstmal, bis der Mietvertrag ausgelaufen ist.

Neulich wurde ich gefragt, wie ich dieses Implantat pflege und ob ich es regelmäßig spülen lasse. Ich unternehme nichts dergleichen, da ich keinerlei Probleme damit habe. Das ist aber bei jedem anders und muss separat entschieden werden. Genau wie die Benutzungsdauer. Es gibt hierzu wohl noch keine all zu aussagekräftige Studien, die eine bindende Aussage darüber geben. Solange der kleine Freund in Ruhe schläft und keine Mätzchen macht, ist alles paletti. Sollte das mal nicht der Fall sein, würde ich definitiv mit dem Arzt meines Vertrauens sprechen. Diese Gespräche sollten ohnehin in regelmäßigen Abständen stattfinden. Er/Sie kann euch am besten beraten, wie und ob ihr dieses System pflegen solltet und wie lange es in eurem Körper bleibt – Kommunikation ist und bleibt daher immer very imPORTant!

Heute erinnert nur noch eine kleine Narbe an den Eingriff. Ansonsten ist Mr. Portman kaum spür- und sichtbar.

Heute erinnert nur noch eine kleine Narbe an den Eingriff. Ansonsten ist Mr. Portman kaum spür- und sichtbar.

Das „fuckoffhenry“-Fake Tattoo gibt es unter www.FONRY.de oder bei Dawanda. Das TV-Gespräch mit den beiden Moderatoren von RTL „Guten Morgen Deutschland“ könnt ihr euch unter folgenden Links anschauen.

Video Teil 1 —> http://bit.ly/1r95isC (ab Minute 34:26)
Video Teil 2 —> http://bit.ly/1rn2Pdb (ab Minute 47:31)

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