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HENRY who? Whohoo!

Vor genau drei Jahren und vier Monaten fasste ich den Entschluss meine Gedanken der wohl schwersten Zeit in meinem Leben in niedergeschriebener Form zu veröffentlichen. In diesem Blog, um meinem Non-Hodgkin Lymphom Henry den verbalen Mittelfinger zu zeigen. Kraftvoll war die Faust am 17. Dezember 2013 geballt und der Finger streckte sich so weit es ging in die Höhe. Eine wichtige Kampfansage für mich, für mein Umfeld. Ich wollte das Ding wuppen, den Touchdown machen und über die letzte Base gelangen. Mein Ziel: fünf Jahre mentales und körperliches Training für das Endspiel. Für den Sieg. Für den vergoldeten Mittelfinger-Pokal inklusive Gravier „Fuck you very much, Henry – endlich krebsfrei!“.

Bildschirmfoto 2017-04-17 um 19.19.05

Ich war in topform. Hatte jede einzelne Base seither mit großen Schritten erreicht. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen mit top Blutwerten, Friseurbesuche mit Hairlichen Ergebnissen, einen Job in Festanstellung und vor kurzem die zweite Medaille für den Berliner Halbmarathon in Folge. Ich erkannte, dass ich nur noch einen Spielzug bis zum Endgegner zu bewältigen hatte und ich das Spiel vorzeitig für mich entscheiden konnte. Ich bin soweit. Henry war einmal. Das einzige was uns beide noch verbindet und an ihn erinnert schlummert unter meinem Schlüsselbein. Der Port. Ein kleines Implantat, das damals unter die Haut gesetzt wurde, um die Chemotherapie anstelle via Braunüle am Handgelenk dort effektiver einflößen lassen zu können. Praktisch. Klein. Und mitunter sehr schmerzvoll.

Unsere Beziehung zueinander war schon immer kompliziert und hat sich zunehmend verändert. War er damals sehr hilfsbereit, so erinnert er mich nun täglich an eine Zeit, die nicht mehr zu mir und meinem Leben passt. Ich könnte ihn noch bei mir behalten, bis die fünf Jahre verstrichen sind – für den Fall der Fälle. Für den Fall, dass… Für mich gibt es jedoch keinen Fall dieser Fälle. Der Drops ist gelutscht. Der Adler ist gelandet. Ende aus, Micky Maus. Time to say goodbye to Mr. Port. Der Schlussstrich ist gezogen und das ärztliche Vorgespräch bereits vereinbart. Einen Tag vor meinem dritten Geburtstag werde ich wissen, wann der Port entfernt werden kann – am 8. Mai. Das letzte Kapitel. Die letzte Base.

Ich blicke auf den Küchentisch und erinnere mich an das vergangene Weihnachtsfest mit meinen Eltern, die vielen Küchengespräche mit Freunden und die unzähligen Taschentücher die in meiner Strickjacke ihren Platz gefunden hatten. Gefüllt mit Tränen. Tränen der Freude, der Angst und der Bewältigung. Genau wie diese Taschentücher war dieser Blog mein digitales viereckiges Stück Zellstoffpapier, welches mir dabei half, das Erlebte zu beschreiben, zu verarbeiten und anderen Betroffenen die Angst vor dem Krebs zu nehmen. Lichtblicke, Hoffnung und schmunzelnde Momente zu schenken. Es war wichtig für mich und deshalb danke ich euch für die warmherzigen, ermunternden Zeilen, Worte und Gedanken. Für mich wird es nun Zeit, das digitale Taschentuch zu zerknüddeln und in den Papierkorb zu legen. Ich brauche es nicht mehr. Ich brauche es nie wieder.

*Bis zu meinem fünften Geburtstag am 9. Mai 2019 wird dieser Blog noch bestehen bleiben. Für alle, denen ich damit weiterhin Mut und positive Gedanken schenken darf.

2 Kommentare

  1. Ich kann wirklich nicht oft genug danke sagen! Du bist wirklich toll und ich wünsche dir weiterhin alles alles Gute damit Henry dort bleibt wo der Pfeffer wächst! Alles Liebe

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