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Bereit für den Dancefloor!

Neulich war ich das allererste Mal wieder aus. Mit Ansage. Hinterhof-Party, direkt am Landwehrkanal. Meine Lieblings Social Media Agentur feierte ihre 6jährige Großartigkeit und lud viele Menschen ein. Es war mein erster offizieller Auftritt seit über einem Jahr. Zwar durfte ich meine Partytauglichkeit schon bei der Hochzeit meiner lieben Freundin Laura testen, doch nun wurde es ernst. Ich würde auf Menschen treffen, die ich seeeeehr lange nicht gesehen habe. Der ein oder andere würde vielleicht nichts von Henry wissen. Manch andere wiederum schon. Ich war etwas angespannt und das lag nicht nur an meinen hochhackigen Tretern, die ich mir extra angezogen hatte. Ich fühlte mich gut. Hatte mich ordentlich aufgehübscht, zum ersten Mal mein Shiny-Happy-People-Schaum ins Haar geknetet und war ready for se Däncefloor!

Ich traf mich vorab mit einem lieben Freund, der vor kurzem Papa wurde. Wir sprachen über seinen kleinen Sprössling, über zu wenig Schlaf und wärmten uns mental schon mal für den bevorstehenden Abend auf. 20.30 Uhr – los geht’s. Wir düsten mit einem Mini-Geschenk unterm Arm gemeinsam zum Spektakel und wurden mit jeder Menge Konfetti, Seifenblasen und einem lauten „Hallooooo!“ begrüßt. Zack! Küsschen links, Küsschen rechts. Schwups, auf ging’s zum Fotoautomaten. 3, 2,1 Knips, Knips, Hurra! Es war ein ausgelassener Abend mit vielen Gesprächen mit tollen Menschen. Aber auch ein Abend mit vielen Nicht-Gesprächen mit tollen Menschen.

Foto-disco2 KopieHenry hat mich verändert, nicht nur äußerlich. Trug ich vor 1 ½ Jahren noch meine blonde Löwenmähne spazieren, ist es nun das komplette Gegenteil. Dunkle, kurze, lockige Haare. Perfekt für eine CIA-Agentin, die verdeckt ermittelt und unerkannt bleiben möchte. Doch für mich war dieses Makeover eher hinderlich, als hilfreich. Da wurde schon auch zweimal hingeschaut. Ist sie es oder ist sie es nicht? Ich blickte in viele irritierte Gesichter. Doch war diese optische Verwandlung auch der Grund von vereinzelter Zurückhaltung oder sogar Nichtbeachtung? Ich war etwas desillusioniert. Ich freute mich so sehr auf diesen Abend. Auf viele Bekannte Gesichter. Haufenweise netter Gespräche. Offene Arme. Und doch war ich überrascht. Die Reaktionen konnten unterschiedlicher nicht sein. Flüchtige Bekannte mit denen ich vor Henry’s Begegnung eher im Smalltalk versackte, waren plötzlich unfassbar offen und nahmen mich mit ihrer Tiefe sofort an die Hand. Andere, die mir früher wiederum eindeutig näher standen, waren mit der Situation teilweise überfordert. Es blieb bei oberflächlichem Geplänkel oder man ging mir komplett aus dem Weg. Vielleicht erwartete ich auch einfach zu viel. Denn nicht jeder hat an einem Partyabend wie diesem Lust auf einen ernsten Krebs-Talk. Und na klar, wie eröffnet man auch schon solch ein Gespräch, wenn im Hintergrund MC Fitti von Flamingos und Flipper singt? Fragt man da drauf los? Spricht man es lieber gar nicht an? Das muss jeder für sich entscheiden. Doch diejenigen die mich kennen, wissen dass ich immer noch die alte Quatschkanone bin. Und egal mit welchen Worten ihr die Schwelle zum Gespräch überquert, ihr sollt eines wissen – die Tür steht euch immer offen.

So ist es im Leben. Es geht bergauf und bergab. Man fällt hin und steht wieder auf. Man hat Krebs und verabschiedet sich dann wieder von ihm. Und das muss man auch. Diese Krankheit darf dein Leben nicht beherrschen. Nicht nonstop. Und da tut es einfach auch mal gut, die Arme in die Luft zu schmeißen, zu lauter Musik zu däncen und auf Seifenblasenrückstände auf dem Boden auszurutschen. Ich bin am Leben. Ich genieße es. Jeden einzelnen Tag. Und hoffe, dass ihr lieben Menschen da draußen beim nächsten Mal allen Mut zusammen nehmt, euch ein Herz fasst und mit mir gemeinsam tanzt.

2 Kommentare

  1. Wie schön, dass es dir besser geht. Wie schön, deine Zeilen zu lesen. Wie schön, gedanklich mitzutanzen. Du bist eine Inspiration für viele, ob mit oder ohne Krankheit. Bleib wie du bist!
    Liebe Grüße,
    Yvonne

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