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Abschiedsbrief

„Und ihm wird klar, Harmonie bringt die Kraft – sein Traum wird wahr, er hat es geschafft“ diese Textpassage stammt aus dem Song ‚Krieger‘ von Thomas D. und bringt es exakt auf den Punkt – die Bekanntschaft von Henry und mir. Endlich ist Henry Ford (sorry, aber den musste ich irgendwann mal bringen) und der Platz wieder frei für mein Leben. Mein bewusstes, mein intensives, mein schönes Leben. Und um dies befreit und ohne Ballast beginnen zu können, muss und will ich mich von dem Vergangenen verabschieden. Meine Kopfbedeckung habe ich mit einem emotionalen Ritual bereits beim Camping-Lagerfeuer im Kreise meiner Liebsten verbrannt. Doch mit welchen Worten beginnt man einen Abschiedsbrief, der weder seiner Telefongesellschaft noch seinem Ex-Freund gewidmet ist, sondern sich an etwas richtet, dass einem das ganze Leben auf den Kopf gestellt hat? Wie formuliert man einen Abschiedsbrief an seinen ehemaligen Tumor? An Henry? Ich habe keine Ahnung und je länger ich darüber nachdenke, desto klarer wird es. Ich beginne diesen Brief mit einem einzigen Wort: Danke.

brief
Hallo, Guten Tag, An Henry,

Du hast mir die schwierigste Zeit meines Lebens bereitet. Hast mich physisch und psychisch an meine Grenzen gebracht. Mich Situationen erleben lassen, die ich niemandem jemals wünschen möchte. Und dennoch bin ich rückblickend gesehen dankbar, zumindest ein kleines bisschen. Du hast mich stark gemacht und mir gezeigt, dass alles möglich ist – sogar einen so kräftigen Schmarotzer wie dich zu besiegen. Ich habe mich nicht verkrochen, mich nicht einschüchtern lassen. Im Gegenteil. Du hast aus mir einen noch selbstbewussteren willensstarken Menschen gemacht, der von nun an erhobenen Hauptes auf diesem Planeten umherspaziert. Du hast mich mit voller Wucht spüren lassen, was es heißt von 100 auf 0 zurück zu fallen und mir gezeigt, was wirklich zählt im Leben. Mit deiner Bekanntschaft ging auch eine der größten Typveränderungen seit „GNTM – das große Umstyling“ einher. Denn mal unter uns… irgendwie fragt sich doch insgeheim jeder, wie er wohl so ganz oben ohne aussehen würde und ob er/sie eher zur Eier-, Kreisel-, Rauten- oder Plattkopf-Fraktion gehört. Diese Frage hast du mir sehr rasch beantwortet und mich mit dem Ergebnis durchaus zufrieden gestimmt. Somit ist der Punkt auf meiner Liste „Frisuren bzw. Nicht-Frisuren, die ich schon immer mal ausprobieren wollte“ auch abgehakt. Von nun an kann ich stolz bei meiner Mädchengang prahlen, dass ich von allen Ladies die gesündesten Haare habe. Danke.

Du hast mich entschleunigt, den Slow Motion-Schalter gedrückt und meinen Ernährungsplan umgestellt. Mir mehr Zeit für meine Freunde verschafft und mich meiner Familie trotz 300 km Entfernung wieder ganz nah gebracht. Durch dich sind wir nun noch enger zusammengerückt. Dank dir nehme ich mir viel mehr Zeit das Leben zu genießen. Dinge zu betrachten, genauer zuzuhören und einfach auch mal nur zu sein. Durch dich glaube ich fortan an das große Ganze und daran, dass alles möglich ist. Gern hätte ich mir diesen wirklich beschissenen Trip mit dir geklemmt, aber dann wäre ich niemals freiwillig in diese höchst gefährliche Achterbahn gestiegen. Danke Henry und nun kannst du getrost aussteigen und abschwirren. Ich übernehme ab jetzt das Steuer.

Auf Nimmerwiedersehen!

4 Kommentare

  1. Hallo Janine, erst einmal herzlichen Glückwunsch zum hoffentlich auch dauerhaften bezwingen von Henry!!!! Du hast das einzig richtige gemacht, den Kopf nicht in den berühmten Sand gesteckt, den langen Kampf gegen ihm mutig und mit Bravour angenommen. Ich glaube auch aus eigener selbst gemachter Erfahrung, das dieses der wahrscheinlich einzige Weg ist, aus dieser besonderen „Lebenslage“ wieder heraus zukommen. Die Schulmedizin ist dabei nur ein kleiner Bruchteil, die mentale Einstellung zur dauerhaften Heilung & Genesung ist unverzichtbar. Deine im Abschiedsbrief geäußerten Gedanken kann ich auch nur unterstreichen, das klingt alles sehr vertraut bzw. halt erlebt und daraus dann die richtigen Schlussfolgerungen gezogen (jedenfalls fast immer 😉 ). Viele weitere Genesungswünsche nach Bln und mache deine Seite bitte weiter, denn diese macht vielen betroffenen Menschen Mut, den Kampf anzunehmen! VG PW

  2. Hallo Peter,

    ich danke dir sehr für deine Worte und bin ebenfalls der festen Überzeugung, dass das Köpfchen mit der richtigen Einstellung den Heilungsprozess enorm beeinflussen kann. Wenn man positiv nach vorn schaut und sich dem Gegner stellt, kann man nur gewinnen! Peter, auch ich wünsche dir alles Gute und ich werde hier auf jeden Fall fleißig weiter machen, versprochen. 😉

    Viele Grüße
    Janine

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